Volle Aufmerksamkeit, bitte! – Der Hund schnarcht.

Februar 13, 2022 SGuenther No comments exist

„Ich habe zum ersten Mal gehört, dass mein Hund schnarcht.“ – „Ich wurde viel ruhiger.“ – „Alles ringsherum war irgendwann weg.“ – „Ich habe erstmals gespürt, wie bequem meine neuen Schuhe sind.“ – „Mein Atem wurde langsamer.“ 

Dies sind Aussagen von Führungskräften einer Versicherung, mit denen ich eine nur wenige Minuten dauernde Präsenz- und Aufmerksamkeitsübung machte, online über MS-Teams. 
Sie sollten sich bequem hinsetzen, die Augen leicht schließen, den Boden unter ihren Füßen und den Stuhl unter sich spüren, sich dann einfach auf ihren Atem einlassen und wahrnehmen, was geschieht. 

Schon innerhalb weniger Minuten passieren erstaunliche Dinge: Unser Atem wird ruhiger, der Puls verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt, die Aufmerksamkeit steigt für Sinnes- und Körperwahrnehmungen. Es kommen auch schnell Gedanken hoch, vielleicht auch Gefühle – Ungeduld, Unsicherheit, Frust, Friedfertigkeit…. – es gibt kein Richtig oder Falsch, nur das, was individuell gerade „da“ ist, gehört, gespürt, wahrgenommen werden will. 

Wofür diese kleine Übung? Wir alle sind nur dann kognitiv, emotional und physisch auf der Höhe und voll leistungsfähig, wenn wir in einem „guten“ Zustand sind – aufmerksam, wach, gelassen, positiv gespannt, ganz „da“ in dem, was jetzt ist und passiert. Wir sollten uns selbst wahrnehmen können, unseren Ärger, unsere Anspannung, unsere Reaktionen auf das, was andere an uns herantragen. Damit wir die Wahl haben, so dass wir nicht instinktiv re-agieren, sondern bewusst unsere Handlungsoptionen wählen. Dies nenne ich gern „Präsenz“.

Was ist jedoch die übliche Realität? Wir sind häufig auf „Autopilot“ unterwegs, sind abgelenkt, versuchen mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Unsere Gedanken sind nicht da, wo wir sind, wo unser Körper ist, sondern in der Vergangenheit oder in der Zukunft.
Wir hören nur mit einem Ohr hin, wenn jemand zu uns spricht, sind schon längst beim nächsten ToDo, und uns selbst nehmen wir kaum noch wahr. Gestresst, unter Zeitdruck und von uns selbst weitgehend unkontrolliert reagieren wir nicht selten unüberlegt, unklug, abweisend, sogar aggressiv. Eine Verbindung zum Gegenüber entsteht so kaum. Manchmal merken wir dies später und es tut uns leid – manchmal auch nicht. 
Und unser Körper? Der ist meist von früh bis spät nur dafür da, unseren Kopf durch die Gegend zu tragen. (Am Abend versuchen wir dies dann manchmal durch heftige sportliche Anstrengungen zu kompensieren.)

Wenige Minuten können helfen, uns in einen bewussten, aufmerksamen, „starken“ Zustand zu bringen. Uns mental, emotional, körperlich zu sammeln und zu „erden“. Wenige Erinnerungen am Tag können uns dabei unterstützen, uns selbst wieder besser wahrzunehmen – und uns dann erfolgreich zu steuern. Damit wir top vorbereitet sind für die Herausforderungen des Tages. Damit wir wach, aufmerksam und zugewandt in die Interaktionen gehen, die einen so großen Teil unserer Zeit ausmachen. 

Und, mal ehrlich: Ist es nicht das, was wir ganz selbstverständlich von einem Skispringer oben auf der Schanze erwarten? Ebenso von einem Golf-Pro beim Abschlag, vom Fußballstar oder Tennis-Champion, der zum Spiel den Platz betritt? 
Wann fangen wir an, es ihnen nachzutun? – Und, haben Sie schon bemerkt, ob Ihr Hund auch schnarcht?  

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