Seien Sie ganz offen!

Mai 5, 2018 SGuenther 1 comment

Auf einer Basis von Vertrauen und Ehrlichkeit funktioniert Zusammenarbeit besser. Das ist eine recht  triviale Aussage. Ebenso wie die damit verbundene Forderung nach „Offenheit“.

„Sagen Sie doch mal ganz offen Ihre Meinung!“ Ja, dieser (meist) gut gemeinte Wunsch ist ehrenwert. Und gleichzeitig ist „Offenheit“ keine Einbahnstraße. Der, der sich offen äußern soll, also sich öffnen und seine inneren (innersten?) Gedanken preisgeben soll, hat dann auch einen Anspruch auf „Offenheit“ beim Empfänger. – „Seien Sie doch mal offen für neue, andere, ungewöhnliche, für Sie vielleicht falsche, schwierige, verrückte Gedanken!“, könnte man erwidern.

Beides geht Hand in Hand. Und wenn ich als Führungskraft die Offenheit bei meinen Mitarbeitern vermisse, sich ehrlich einzubringen, dann bin vielleicht ich selbst mit meiner mangelnden Offenheit für ihre Einlassungen der Grund dafür. Wie reagiere ich denn, verbal oder körpersprachlich, wenn ich etwas höre, das so gar nicht in mein Denk- und Weltbild passt? Bin ich eine Einladung und Ermutigung für die Offenheit, die ich fordere?

Oder, auch das ist nicht selten der Fall, es kann auch sein, dass Mitarbeiter in ihrer bisherigen Karriere, unter anderen Vorgesetzten, so ihre Erfahrungen mit „Offenheit“ gemacht haben. Welche Historie gibt es beim Mitarbeiter dazu, oder in der Abteilung, oder im Unternehmen? Wer mit seiner „offenen Meinung“ einige Male von oben „abgebügelt“ worden ist oder unbeachtet blieb, hat oftmals seine Lektion gelernt und hält künftig lieber den Mund. Manchmal für immer und auch bei einem neuen Chef, der es wirklich ernst meint mit der – beiderseitigen – Offenheit.

1 Comment on “Seien Sie ganz offen!

  1. Ich würde es überlegte Offenheit nennen, d.h. ich muss mir schon vorher im Klaren sein, was mein Gegenüber an ehrlicher Meinung verträgt und ggf. dosiert auf ein Mehr an Meinung hinarbeiten und das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Sonst kann der Schuss gehörig nach hinten los gehen und kann unter Umständen das gute Verhältnis zum Kollegen oder gar zum Chef, sofern es ein gutes Verhältnis gibt, zerstören. Damit ist auch nichts gewonnen.

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