Meine Mission, unsere Mission

September 22, 2019 SGuenther No comments exist

Eine Mission ist der grundsätzliche Auftrag, mit dem wir unterwegs sind. Die Notwendigkeit, wegen der wir morgens aufstehen und zur Arbeit gehen. Der Grund, warum man uns „erfinden“ müsste, als Individuum oder als Organisation, wenn es uns noch nicht gäbe. Im Angelsächsischen ist ein verwandter Begriff der „Purpose“, der einen Daseins- oder Lebenszweck beschreibt. Bei Simon Sinek ist es das „WHY?“, das große Warum, oder besser Wofür oder Wozu, das jede Organisation (und jeder Mensch) zunächst für sich beantworten sollte.
Von der Mission zu unterscheiden, aber immer wieder gern mit ihr verwechselt, ist die Vision, die ein fernes, ideales Zukunftsbild beschreibt, das uns im Sinne eines Leitsterns Richtung und Motivation zu verleihen vermag.

Jeder hat einen Grund dafür, wenn er etwas tut. Mitarbeiter haben einen Grund, warum sie zur Arbeit gehen. Natürlich muss (fast) jeder Geld verdienen, das ist sozusagen eine Grundbedingung. Aber, dies gegeben, selten ist dies der einzige Grund oder auch nur der wesentliche Treiber.
Einen sinnvollen Beitrag zu einem wichtigen Zweck zu leisten, ist für manche Menschen sehr motivierend – teilweise auch ohne oder mit geringer Bezahlung. Teil einer Gemeinschaft zu sein, die gut zusammen arbeitet, wo sich einer auf den anderen verlassen kann und in der man zusammen Spaß hat, ist für viele Arbeitende ganz wichtig. Wieder andere haben den Fokus darauf, stets Neues zu lernen, aus Wissensdurst oder für den nächsten beruflichen Schritt. Oder sie genießen einfach die Arbeit selbst, die ihnen immer wieder Freude macht und Befriedigung gibt, in der sie sich „wie der Fisch im Wasser“ fühlen, gefordert und am richtigen Platz. Und dann gibt es diejenigen, die tatsächlich nur wegen des Geldes zur Arbeit gehen. Die, meist stillschweigend, kommunizieren: „Sag mir einfach, was ich tun soll, ich mache das, und mein eigentliches Leben findet dann ab 17 Uhr woanders statt.“

Letzteres ist für manche Führungsmenschen mit Ambitionen und hohen Zielen schwer zu akzeptieren und sie arbeiten sich nicht selten daran ab, diese Menschen zu motivieren oder für die Arbeit zu begeistern – in der Regel vergeblich. Immerhin, wenn solch ein Mitarbeiter sein Soll erfüllt und das Miteinander des Teams nicht belastet, mag es hinnehmbar sein.
Aber, so müsste man diese Führenden fragen, was ist mit den anderen? Welche Energie verwendest Du, Führungsmensch, auf die grundsätzlich Motivierten, die mit einem guten Grund zur Arbeit kommen, und dies offenbar nicht ungern? Kennst Du, Führungsmensch, den primären Antreiber jedes Deiner Mitarbeiter?
Ob jemand vor allem den fachlichen Austausch und die Zusammenarbeit mit den Kollegen genießt oder aber die Möglichkeit, sich „in Ruhe“ in Inhalte zu vertiefen und sich darin zu entwickeln, ist ein großer Unterschied. Und jeweils werden völlig andere Motivatoren sinnvoll und gefordert.

Große Energie entsteht dort, wo eine Verbindung gelingt zwischen meiner persönlichen Mission und der meiner Organisation. Wenn ich einen starken Zusammenhang erkennen kann zwischen dem, was mich intrinsisch antreibt, und dem, was meine Firma, meine Abteilung, meine Gruppe will, was ihre Mission oder ihr Auftrag ist, kann dies enorm motivierend sein. Hier liegt eine wichtige Aufgabe und zugleich selten genutzte Chance der Chefs.
Welche Führenden haben denn wirklich schon all‘ ihren Mitarbeitern die Frage gestellt, was sie besonders an ihrem Job schätzen, was sie antreibt, warum sie hier arbeiten, auf was sie am wenigsten verzichten wollten, auf was sie besonders stolz sind?
Diese Frage und die sich daraus anschließenden Gespräche können so viel wertvoller sein als die periodischen Hickhacks um Nachkommastellen in der Zielerreichung oder die nächste Gehaltsmaßnahme.
Sie ermöglichen eine hoch energetische Verbindung zwischen persönlicher Mission und „Corporate Mission“. Sie eröffnen Möglichkeiten für angepasste Tätigkeitsschwerpunkte, Rollen, Einsatzgebiete, sogar Zusatzaufgaben, die bereitwillig und mit Begeisterung angenommen werden. Eine große Chance auf günstige Zusatzenergie. – Wann fragen SIE Ihre Leute?

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