Haltung, bitte!

Juli 7, 2018 SGuenther 2 comments

Marshall Goldsmith bringt das Beispiel von den zwei Flugbegleiterinnen: die eine freundlich, strahlend, gewinnend, die andere mürrisch, schnippisch, unleidlich. Gleicher Arbeitgeber, gleicher Flug, gleiches Gehalt, gleiche Uniform. Was ist der Unterschied? Er kommt von innen, es ist die Haltung, die innere Einstellung zur Aufgabe und zum Gegenüber, die sich zeigt.

Wir alle kennen sie: die Supermarkt-Kassiererin, den Kellner oder die Empfangsdame, die mit ihrer liebenswürdig-sonnigen Art unseren Tag für einige Zeit heller und freundlicher gemacht hat. Und vermutlich haben wir auch schon das Gegenteil erlebt, dass wir als Eindringling und Störenfried behandelt wurden und nicht wie ein Gast oder Freund.
Wir Menschen sind Rudelwesen mit  einem ausgeprägten Gespür für diese Art sozialer Anschlussfähigkeit. Wir lassen uns von Liebenswürdigkeit infizieren, ebenso wie von Unfreundlichkeit und ruppiger Distanziertheit. Wer mit einem Lächeln aus einer menschlichen Interaktion geht, geht mit diesem Lächeln in die nächste hinein. Und somit hat die Kassiererin, der Kellner oder die Empfangsdame einen Einfluss, der weit über ihre direkten Kontaktpersonen hinaus geht.

Noch mehr haben Führungskräfte diesen hohen Einfluss über ihr Auftreten, ihre Haltung und ihre Art, wie sie insbesondere ihren Mitarbeitern begegnen. Als Leit- und Autoritätsperson stehen sie unter besonderer Beobachtung ihres Umfelds. Der mürrische Chef, der grußlos an seinen Mitarbeitern vorbeigeht, setzt den Ton für die Stimmung und den Umgang miteinander ebenso wie derjenige, der mit einem Lächeln und einem fröhlichen „Guten Morgen“ auftritt.

„Innerung vor Äußerung“ lehrte uns Schulz von Thun. Wer sich „äußert“, und dies kann auch non-verbal sein, sollte zuvor innerlich „alle beisammen haben“.

Die Sensibilität für die eigene Haltung und deren Wirkung auf ihr Umfeld, für ihre Ausstrahlung auf andere und damit für den eigenen Auftritt, kann von einer Führungskraft verlangt werden. Wer diese Form des Selbstmanagements nicht aufbringen kann oder mag, ist als Leitfigur und Vorbild zu einem guten Teil  ungeeignet, denn darin drücken sich mit einiger Wahrscheinlichkeit eine oder mehrere Todsünden von Führung aus: ein negatives Menschenbild, mangelnde Disziplin, fehlende Wertschätzung oder Gleichgültigkeit gegenüber den anvertrauten Menschen.

Das Gegenteil zu beweisen, ist eigentlich nicht schwer. Die Verantwortung für den initialen Funken, der so hohe und weitreichende Wirkung haben kann, gehört essenziell zur Aufgabe aller Führenden.

 

2 Comments on “Haltung, bitte!

  1. Ja klar Stefan, positives denken erzeugt eine positive Ausstrahlung und ist damit eine Grundvoraussetzung für Führung. Eine gute Führungskraft trägt auch nicht nach außen, wenn es gerade nicht so gut geht. Bei Mercedes habe wir dies gelernt und trainiert. Auch: Ich bin O.K., Du bist O.K.!

  2. Was theoretisch einleuchtend ist, ist praktisch nicht immer leicht umzusetzen. Was tun, wenn die persönliche Grundhaltung anders konditioniert wurde? Ein Blick hinter die Fassade lohnt sich alle mal. Auch im Privaten wird sich dadurch vieles ins Positive umkehren.

    Schöne Grüße aus Friedberg,
    Manuela Schmid

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